NAMIBIA Reiseplanung | Reiseroman | Namibia Kalender | Etosha Karte | Wildnis-Insiderwissen | Foto-Tipps | Reiseerinnerungen | Inspiration

von Claudia du Plessis
LÖWEN LAMBADA
Vier bayerische Freunde, tierisch viel Wildnis und ein rätselhafter Fall – Ein humorvolles Safariabenteuer
Sonne, Savanne und wilde Tiere – was kann da schon schiefgehen?
Für Fritz und seine drei bayerischen Kumpel Paul, Sepp und Hans soll der Trip in den Etosha-Nationalpark in Namibia zum unvergesslichen Safaritraum werden. Zwischen majestätischen Löwen, imposanten Elefanten und atemberaubenden Erlebnissen in der Wildnis genießen die vier das afrikanische Sommerfeeling.
Doch mit einem Schlag ist Schluss mit der Safari-Idylle!
Am Rand eines einsamen Wasserlochs entdecken sie den Löwenforscher Tom – bewusstlos, verletzt und in bedenklich naher Gesellschaft von Löwen und Hyänen. War es tatsächlich ein tragischer Nashornangriff? Oder steckt mehr dahinter?
Merkwürdige Schuhabdrücke, eine rätselhafte Drohbotschaft und immer neue Ungereimtheiten lassen Fritz und seine Freunden keine Ruhe. Schon bald wird aus dem Traumurlaub eine aufregende Spurensuche, bei der nicht nur tierische Begegnungen für Herzklopfen sorgen.
Mit dem Spürsinn eines Schabrackenschakals, der Neugier eines Erdhörnchens und einer gehörigen Portion bayerischer Hartnäckigkeit nehmen die vier Freunde die Fährte auf. Dabei sorgt Paul mit seinen deftigen Kochkünsten für die nötige Stärkung, mit der sie der Wahrheit Stück für Stück näherkommen.
Doch die Zeit drängt, denn irgendwo da draußen lauert jemand, der ganz und gar keinen Spaß versteht …
Na? Lust auf Abenteuer, tierische Begegnungen und einen Kriminalfall mit bayerischem Humor? Super! Dann pack deine Lesebrille ein und begleite den Fritz, Paul, Sepp und Hans auf ihrer Safari, bei der garantiert nicht alles nach Plan läuft!
Leseprobe
1.
Irgendwo in der Savanne, nahe Okaukuejo
Namibia, Nacht und Nervenkitzel
In der Ferne ertönt entrüstetes Elefantentrompeten, bevor wieder friedvolle Stille einkehrt. Tiefe Dunkelheit liegt über der weiten afrikanischen Savanne. Am klaren Himmel prangen unzählige Sterne. Die Nachtluft ist lau. Dennoch fröstelt mich ein bisserl vor Aufregung.
Wo ich bin, wollen S’ wissen? Ich hock zusammen mit dem Paule, dem Sepp und dem Hanse, meinen Lupfershofener Dorfkumpeln, auf der Ladefläche einer Safarikutsche mitten in der Wildnis Etoshas in Namibia. Auf Löwenjagd.
Nein! Um Gottes willen, nicht was Sie jetzt denken: Die Raubtiere werden freilich nicht getötet, sondern im Auftrag der Wissenschaft kurzzeitig betäubt, um sie zu Forschungszwecken mit Peilsendern auszustatten.
Sie vermuten’s schon richtig: Wir sind natürlich nur Zuschauer bei dieser abenteuerlichen Aktion. Von unseren Logenplätzen aus dürfen wir den Naturschützern des Etosha Ecological Institutes – des Ökoinstituts des Nationalparks – bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Was uns mit einer Mischung aus freudiger Erwartung und nervöser Ehrfurcht erfüllt.
Hier nachts draußen zu sein, ist an sich schon ein Krimi, denn die Dunkelheit ist die Zeit von Löwen und anderen nächtlichen Jägern. Was da in der Wildnis abgeht, ist ungemein spannend – der Hanse hat’s uns heute Nachmittag mit der Einladung zu diesem Exklusiv-Event erklärt. Wenn S’ wollen, geb ich’s Ihnen kurz weiter, ich hab ja gerade Zeit. Also, sobald die Sonne hinterm Horizont verschwindet, rekeln sich die dösenden Raubtiere, schütteln sich die Müdigkeit aus dem Fell und streifen nach einem Wachmacher-Schlückchen an der Wasserstelle durch die afrikanische Savanne. »Dinnertime, Leute«, hallt es durchs Rudel – was für die Raubkatzen in der Regel Abhol- statt Lieferservice bedeutet. Der gestaltet sich besonders knifflig: Die Adresse des Frischfleischangebots wechselt täglich, sowohl örtlich als auch vom Sortiment her. Springböcke, Zebras und Gnus, die Lieblingsspeisen der Löwen, sind nämlich äußerst wanderfreudig und machen es den Raubkatzen nicht gerade einfach – wer kann’s ihnen verdenken.
Bevor sich die Löwen also einen Happen Steak – »rare, bittschön« – munden lassen können, bedarf es kilometerweiter Wanderungen, geschicktem Anschleichen und einem wohlüberlegten, kraftvollen Sprint. Dabei ist die Dunkelheit der Raubkatzen Freund, denn sie verschleiert die Anschleichaktion, bis die Löwen ihrer Beute nah genug für einen erfolgreichen Angriff gekommen sind. Gleichzeitig ermöglichen ihnen spezielle Reflektoren in den Augen hervorragende Sicht im Dunkeln, und ein Wust an Nerven einen spürnasenfeinen Geruchssinn. Kurz: Löwen sind bestens für Nachtschichten ausgestattet.
Was ich für Homo sapiens aktuell nicht bestätigen kann. Trotz angestrengtem Augenkneifen und Starren bleibt die afrikanische Savannenlandschaft für mich ein undefinierter Mischmasch an Grautönen, der jedes Detail verschluckt. Und außer Sepps penetrantem Aftershave – und meinem Angstschweiß – riech ich rein gar nichts. Kurzum: Als bayrischer Dörfler, der die Nachtstunden vorm PC, auf der Couch oder im Bett verbringt, fühle ich mich in der dunklen Wildnis wie ein Fisch an Land – gänzlich aus meinem Element.
Übrigens: Keine zehn Meter von uns entfernt liegt ein Zebra. Ein Löwen-Trio hat es heute früh gerissen und sich bereits daran verköstigt. Weil aber auch Spezies Löwe was Flüssiges zum Steak bevorzugt, haben sich die Superkatzen bei Sonnenuntergang auf einen Schluck zur nächsten Wasserstelle begeben. Nun warten wir auf ihre Rückkehr.
»Lang wird’s nicht mehr dauern, bis die Löwenjungs zurückkehren«, teilt der Hanse die Prognose vom Parkranger Dawid mit. Seinem Cousin – wenn Sie sich erinnern. »Die drei Leos haben seit Kurzem den unrühmlichen Spitznamen Rhino-Killers – weil sie in den letzten Wochen zwei Nashörner gerissen haben.« Unser Nashorn-Lover wirkt zum ersten Mal seit unserer Ankunft bedrückt. »Bleibt zu hoffen, dass das nicht zur Angewohnheit wird. Es reicht schon die Wilderei …«
»Pst. They are coming!«, unterbricht der Löwenforscher Tom unser Gespräch und wechselt vom Fernglas zum Gewehr.
Ich schlucke – jetzt wird’s ernst. Augenblicklich herrscht Stille im Wagen. Tatsächlich bewegt sich etwas im Dunkeln auf uns zu. Mit Müh und Not erkenne ich drei schemenhafte Tierkörper. Die Identifizierung als Löwen gelingt mir erst, als der vorderste des Dreiergespanns das Zebra erreicht.
»O-Oh mein Gott!«, flüstert der Paule kaum hörbar.
Genau meine Gedanken. Unfassbar majestätisch steht die eindrucksvolle Raubkatze in Pose und starrt zu uns herüber. Wie ein Hollywoodstar auf dem Roten Teppich. Selbst ohne Beleuchtung und gewinnendem Lächeln hat der Muskelprotz eine Wahnsinnsausstrahlung – eine Mischung aus animalischer Urkraft und faszinierender Schönheit.
In mir regt sich der Wunsch, diesen Prachtlöwen zu fotografieren. Doch ich wage nicht, mich zu rühren.
Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit bewegungslos und mucksmäuschenstill verharrt haben – ich habe vorsichtshalber das Atmen eingestellt – wendet sich das Raubtier dem Zebrasteak zu. Meiner Einschätzung nach genügend für ein üppiges Abendessen für ihn und seine Kollegen. Die Superkatze lässt sich am Bauch des Kadavers nieder, an dem bereits ein großes Loch prangt, und vergräbt die Zähne im Fleisch. Puh! Ich atme die Luft endlich aus und lausche den Schnabuliergeräuschen der Großkatze, die mit der lauen Brise zu uns her wabern.
Ich sag’s Ihnen: Das Löwenmännchen so nah von der offenen Ladefläche des Jeeps aus bei seinem animalischen Abendmahl zu beobachten, ist ein echter Pulsbeschleuniger. Mein Herzschlag dröhnt mir derart in den Ohren, dass ich fürchte, der Fleischfresser hört ihn. Mit deutlich erhöhter Atemfrequenz schnauft mir der Paule in den Nacken, und auch der Sepp wirkt äußerst angespannt. Der Hanse dagegen bleibt locker wie immer. »Hammer, oder Fritz?«, flüstert er mir mit einem Schulterklopfer ins Ohr.
»He’s settled. Let’s do it«, sagt der Tom, sein Betäubungsgewehr im Anschlag und das Auge am Zielfernrohr. Mit einem Spotlight – einer starken Taschenlampe quasi – leuchtet der Dawid von der Fahrerkabine aus auf das Löwenmännchen, das sich dadurch in keiner Weise beim Schlem-
men stören lässt. Sekunden später zischt ein leiser Schuss durch die Luft. Gefühlt im selben Moment springt der Löwe wie von der Tsetsefliege gestochen mit einem grantigen Knurrer auf und sprintet davon – gefolgt von Dawids Lichtstrahl.
In etwa fünfzig Metern Entfernung bleibt er stehen und schaut unschlüssig drein. Fast scheint’s, als sinniere er, was zum Henker ihn gerade so unmanierlich von seinem Abendessen hat aufschrecken lassen. Zum Glück zählt er eins und eins nicht richtig zusammen. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie die Raubkatze reagieren würde, wenn sie draufkäme, dass der Tom ihn eben mit einem Betäubungspfeil angeschossen hat.
Minutenlang geschieht nichts. Als sich das getroffene Tier hinhockt und dann seitlich flachlegt, kommt Bewegung in unsere Runde. Der Dawid startet den Wagen und steuert im Schritttempo auf den Löwen zu.
»Was passiert denn jetzt?«, frag ich den Hanse hibbelig.
»Die Droge lässt das betäubte Männchen langsam ins Löwentraumland abdriften. Es dauert nur noch kurze Zeit, dann können wir mit unserer Arbeit loslegen. Die muss so schnell wie möglich über die Bühne gehen, weil’s so für den Löwen am wenigsten Stress verursacht.«
Aha. Macht Sinn – auch wenn’s meinen Stresslevel gerade gehörig pusht.
Wenige Meter vor der Raubkatze stoppt der Dawid den Wagen, die Scheinwerfer auf das schlummernde Tier gerichtet. Das rührt sich nicht. Ob es nur döst oder bereits von fetten Springbockherden träumt, wage ich nicht zu beurteilen. Der Tom steigt aus – um Himmels willen! –, nähert sich der Riesenkatze langsam von hinten, bückt sich zu dessen Kopf hinunter … ja ist der lebensmüde? … und kitzelt das Raubtier am Ohr.
Mir bleibt die Spucke weg. Verkrampft kralle ich mich ans Metallgeländer der Ladefläche und starre entgeistert auf die Szene. Mein Kopfkino läuft Amok: Der Löwe springt voll animalischer Wildheit auf, fällt unseren Forscher an und … nein, stopp! … weiter mag ich mir das nicht vorstellen.
Statt der Raubkatze wird der Tom äußerst quirlig und winkt den Dawid zu sich, der sofort mit einem Arztkoffer herbeieilt. Der Hanse übernimmt das Spotlight.
»Guys! Come on over, we need your help!«, ruft der Dawid.
Hä? Meint der uns?
»Hey, Fritzi, Sepp, Paule – wollt’s ihr den beiden unter die Arme greifen, dann geht’s noch mal flotter?«, übersetzt der Hanse, nachdem sich keiner von uns rührt.
Wir starren einander ungläubig an. Ich sehe in den Augen meiner Freunde neben ängstlicher Zurückhaltung Abenteuerlust aufblitzen.
»Jungs, ihr könnt den beiden wirklich vertrauen – die wissen, was sie tun. Und ich halte Ausschau nach den Löwen-Buddys, damit die sich nicht unbemerkt zu ihrem Kumpel gesellen. Also, worauf wartet’s? Das ist die Chance eures Lebens, einem Löwen auf den Zahn zu fühlen – haha, buchstäblich sogar.«
Hanses Pep-Talk zeigt Wirkung. Überrascht von meiner eigenen Courage, klettere ich im nächsten Moment von der Ladefläche hinunter – der Paule und Sepp tun’s mir gleich – und spaziere zum Löwen hinüber. Verrückt … das glaubt uns keiner!
Kaum angekommen, drückt der Dawid dem Paule ein Schreibbrett und dem Sepp ein Maßband in die Hand. Mich winkt er zum Tom, der am Hals des Raubtiers bereits ein übergroßes Lederhalsband anpasst und mir eine Schere und Gürtellochzange reicht. Schon sind wir mittendrin im ‚Forschungsprojekt Löwe’.
Während ich nach besten Fähigkeiten helfe, das Sendehalsband anzupassen, vermessen der Sepp und Paule mit Hilfe vom Dawid den Löwen. Größe und Länge von Kopf, Körper, Schwanz, Pranken und Zähnen werden notiert. Der Tom beurteilt die Gesamtverfassung des Tieres und den Zustand des Gebisses, sogar Blut nimmt er ab. Respekt!
Immer wieder muss ich auf die Raubkatze starren. Sie glauben ja nicht, wie massiv und kraftvoll so ein Löwe in Wirklichkeit ist – verdoppeln S’ gleichmal Ihre Vorstellung. In natura hat der Schädel tatsächlich die Maße eines Basketballs – ohne Mähne wohlgemerkt – und die Pranken sind tellergroß. Der Hammer! »Die Reißzähne messen satte sieben Zentimeter Länge«, raunt mir der Sepp nach dem Ablesen mit aufgerissenen Augen zu. Ich will mir nicht ausmalen, was die bei einem Menschen anrichten könnten. Im Grunde ist so ein Löwe die reinste Killermaschine, allein vom Design her. Denn neben den Beißern ist er ein einziges krasses Muskelpaket, das jeden Weltspitze-Bodybuilder vor Neid erblassen ließe. Kein Gramm Fett, nur extrem definierte Muskelstränge.
Was mich ebenfalls überrascht, ist das raue Fell. Ganz anders als die soften Härchen von der Cleo daheim – der Katze von Pauls Kleiner Oma, die zur Fellfarbe auch die Attitüde der namensgebenden Schönheit Cleopatra hat, aber das nur nebenbei.
Doch Halt! Eine Stelle an dieser schlummernden Raubkatze ist herrlich weich: die Ohren. Wunderbar soft fühlen die sich an und erinnern mich an mein Faible für kuschelige Tierohren, das ich bei meiner ersten Pirschfahrt in Etosha entdeckt habe. Tatsächlich muss ich mich zusammenreißen, unseren Löwenknaben nicht ständig an seinen Lauschern zu kraulen – am Ende wecke ich ihn noch, Himmel!
Trotz der Fülle an Untersuchungen sind der Dawid, Sepp und Paule scheint’s durch damit, zeitgleich mit unserm Sendehalsband-Fitting. Keine Sekunde zu früh, wie’s scheint. Denn auf den letzten Ohrenkitzel-Check des Forschers reagiert der Löwe prompt mit einem Ohrenzucken – laut Tom ein Zeichen, dass er langsam aus seinem Drogenschlaf erwacht. Ups!
Rasch sammeln wir unsere Utensilien ein, nehmen dem Löwen die schützende Augenbinde ab und eilen zum Wagen.
»Jetzt warten wir, bis er wieder auf den Beinen und komplett fit ist – was meist richtig schnell geht. Dann fahren wir zurück nach Okaukuejo.« Der Hanse blickt auf seine Uhr. »Ich schätze, gegen halb neun hocken wir im Camp und schnabulieren bereits leckere Boerewors und Oryxsteaks. Du wirst sie lieben, Fritzi! Die Nala hat bestimmt schon den Grill angeschmissen.«
Das ist Musik in meinen Ohren. Das gegenwärtige Highlight kann wirklich nur noch durch einen Gaumenschmaus übertroffen werden. Hab ich erwähnt, dass Schlemmen unser gemeinsames Hobby ist?
Der Tom soll recht behalten. Tatsächlich dauerts nicht lange und die prächtige Katze hebt den Kopf. Schon bald richtet sie sich auf, wie die Cleo daheim, wenn sie dem Paule in der Küche beim Werkeln zuschaut. Schließlich erhebt sie sich, starrt einige Momente vor sich hin, als überlege sie, was für einen abgefahrenen Traum sie soeben hatte, und schlendert ab in die Dunkelheit. Binnen Sekunden ist das Raubtier in der afrikanischen Nacht verschwunden. Nichts erinnert mehr an das Erlebte, die Savanne wirkt verlassen.
»Alter! Was war das bitte für ein Erlebnis! Ich hab mir fast in die Hose gemacht.« Der Sepp ist der Erste, der seine Sprache wiederfindet.
»I-Ich auch«, gesteht der Paule, mit selbst in der Dunkel-heit glühenden Wangen.
»Was sagt’s, Leute? Hab ich zu viel versprochen – oder war das ein verdammt cooles, unvergessliches, hammermäßiges Erlebnis?«
»Der absolute Wahnsinn, Hanse!«, platze ich begeistert heraus. Und glaub bei diesen Worten irrtümlicherweise, dass das die erste und letzte große Aufregung dieses Urlaubs gewesen sein würde.

Neugierig, wie's weitergeht? Prima! Hol dir das Buch, deinen Lieblings-Sundowner-Drink und schon cruist du auf deiner Lesesafari durchs wilde Etosha!